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08.10.16 Bremen

Die heutige Wanderung führte uns in den Nordwesten von Bremen. Für die meisten von uns kannten diesen Teil von Bremen bisher nicht und wir viel Sehenswertes und Interessantes kennen.
Mit Bahn und Bus gelangten zum Startpunkt in den Stadtteil Lesum nicht weit vom Weserufer entfernt.
Unser erstes Ziel war eine riesige Bunkeranlage in Bremen-Farge. Heute ein Erinnerungsort und Mahnmal an die Schrecken des 3. Reiches. Die Kriegsmarine hatte den Bunker mit dem Tarnnamen „Valentin“ als bombengeschützte U-Boot-Werft geplant. Auf der Baustelle arbeiteten von Mai 1943 bis April 1945 mehr als 10.000 Zwangsarbeiter aus ganz Europa. Über 1.600 starben an der schweren Arbeit und den Bedingungen in den Lagerunterkünften. Anfang 1945 wurden die Arbeiten nach Luftangriffen eingestellt. Im Bunker „Valentin“ wurde nie ein U-Boot gebaut. Seit 2011 wird der Bunker zivil genutzt: als Erinnerungsort und Depot, vermietet von der Bundesrepublik Deutschland.
Wir umrundeten die Anlage und Ulf ergänzte vieles zu den Schautafeln über die Geschichte der Anlage.
Weiter ging es auf dem Weserdeich durch Farge, Rönnebeck und dem Fähranleger der Fähre „Molzen“ nach Blumenthal. Die Sonne schien und bei tollem Herbstwetter fanden wir an der Weser einen Rastplatz.
An der Weser kamen wir an den heute noch bestehenden Großwerften vorbei und lernten einiges über ihre Geschichte und wie sie durch Übernahmen und Spezialisierung, trotz der seit Jahrzehnten andauernden Werftenkrise, in Nischen zumindest teilweise überleben konnten.
In Blumenthal kamen wir auf das riesige Gelände der einstiegen „Bremer-Woll-Kämmerei AG“. Das Unternehmen wurde im Jahre 1983 gegründet. Am 11. September 1884 startete die Produktion. Beschäftigt waren damals 150 Arbeiter. 1896 wurden bereits 2000 Arbeiter beschäftig. Viele aus Polen, Schlesien, Ost- und Westpreußen. Wenn man aufmerksam durch den Ort geht sieht man an den Namen der heutigen Handwerksbetriebe, dass ihre Nachfahren hier heute gut integriert leben. Bis 1930 stieg die Mitarbeiterzahl auf 3700. Der Ort Blumenthal wurde seit Beginn des 20. Jahrhundert durch das Werk und die dadurch angezogenen Handwerks- und Handelsbetriebe geprägt. Innerhalb kürzester Zeit entstanden ganze Straßenzüge neu.
Die Entwicklung der Lohnkosten, der Wechselkurse, die Erleichterungen der Einfuhren bedrohten die Wettbewerbsfähigkeit der Kämmerei seit Anfang der 60er Jahre gegenüber der weltweiten Konkurrenz. Der Betrieb wirkte dem entgegen durch Umstrukturierungen und wurde der weltweit größte Verarbeitungsbetrieb seiner Art. Die Wolle von 20.000 Schafen konnte pro Tag verarbeitet werden. In den 1980er Jahren vollzog das Unternehmen infolge Weltmarktveränderungen den Wandel von der ehemaligen Lohnkämmerei zum Anbieter von Kammzügen aus Wolle, Chemiefasern und Mischungen.
Alle Bemühungen halfen nicht, 2006 verblieben nur noch 260 Arbeitsplätze und 2009 wurde nach 125 Jahren die Produktion von Wolle in Blumenthal eingestellt.
Unsere Wanderung durch die leeren Flächen und die kaum noch genutzten ehemaligen Fabrikgebäude, machte uns nach der Bunkeranlage und der Wanderung vorbei an den ehemaligen Großwerften, heute zum dritten Mal sehr nachdenklich.
Durch den Park und vorbei am 1354 erbauten „2. Haus Blomendal“ verließen wir den Stadtteil Blumenthal und gelangten über Lobbendorf wieder an das Weserufer. Durch Vegesack führte uns die Wanderung am Ufer der Weser entlang, vorbei an den Lürssen Werften. Der Konzern hat einige seiner Mitbewerber übernommen und dominiert das Bild an der Weser.
Im Stadtteil St. Magnus verließen wir die Weser und wanderten durch Knoops Park.
Der Park ist nach dem Bremer Kaufmann Ludwig Knoop benannt, der das Gelände 1859 erworben hatte und den Park als Bürgerpark gestalten lies. Der Park hat eine Fläche von 65 Hektar.
Zur Kaffeeeinkehr besuchten wir das „Kunst Café“.
In der benachbarten Parkanlage entstand 1989 auf einer Fläche von 1600 Quadratmetern der erste deutsche Blindengarten. Nach einem Rundgang durch den Garten war es nur noch ein kurzer Weg zur Bahnstation

 

 

Wanderfreunde Nordheide e.V.