Willkommen > Fotos und Berichte aus dem Verein (letzte Änderung: 11.11.18) > Neu eingestellt vom 16.10. bis 11.11.2018 > 08. bis 16.09.18 Hochrhöner

08. bis 16.09.18 Hochrhöner

Treffpunkt am Sonnabend war der Buchholzer Bahnhof morgens um 07:00 Uhr. Ulf traf sich zur selben Zeit mit seiner Wandergruppe. Sicherlich wären einige auch gerne mit uns gefahren.
Unsere Bahnfahrt klappte ganz gut, schnell waren die reservierten Plätze eingenommen und wir hatten eine entspannte Reise … bis Schweinfurt, dort war dann unerwartet Schienenersatzverkehr angezeigt. Bald war der richtige Bus gefunden und wir fuhren zu unserem Startpunkt Bad Kissingen. Natürlich waren wir später als erwartet dort und Rainer hat die Taxizentrale angerufen, denn unsere Koffer sollten mit dem Taxi ins Hotel gebracht werden. In der Zentrale wusste man von nichts und hatte auch keine Wagen für uns frei. Wir ließen uns die gute Laune dadurch nicht verderben und rollten unsere Koffer durch das Kurgelände knappe 2 Kilometer ins Hotel. Die Wege waren gut und so war das kein Problem. Die Kurgäste staunten etwas, denn so oft gibt es bestimmt keine Wandergruppen auf dem Hochrhöner.
Im Hotel bezogen wir unsere Zimmer und hatten dann noch etwas Zeit Bad Kissingen zu erkunden. Um 15:30 Uhr hatte Rainer eine Stadtführung mit dem „Grand Portier“ vorbereitet. Wir trafen ihn pünktlich im Kurpark und er zeigte uns die Stadt, erklärte viele Gebäude und die Kureinrichtungen und hatte nette Anekdoten aus vergangenen Zeiten zu erzählen.
In der Weinstube Kirchner aßen wir zu Abend und gingen dann um 21:00 Uhr zu den stimmungsvollen Lichtspielen im Kurpark.

 

Nach einem guten Frühstück im Hotel „Bayerischer Hof“ starteten wir zur ersten Etappe von Bad Kissingen nach Premich. In den kommenden Tagen werden wir durch drei Bundesländer wandern: Bayern, Hessen und Thüringen. Heute blieben wir den ganzen Tag erst einmal in Bayern.
Die ersten Kilometer auf dem Hochrhöner hatten wir ja gestern schon mit den Koffern bewältigt. Weiter ging es durch den Kurpark entlang der Fränkischen Saale aus der Stadt hinaus. Auf dem ganzen „Hochrhöner“ begegneten wir immer wieder lustigen Bänken, die mit Tierbildern bemalt waren.
Nach 2 km kamen wir zu den Solepumpen aus dem Jahre 1848, zusammen mit dem Gradierwerk ist dies Ensemble der Bad Kissinger Solaranlagen ein Industriedenkmal ersten Ranges. Zuerst dienten die Anlagen der Salzgewinnung, doch schon im 19. Jahrhundert erkannte man die heilende Wirkung der salzhaltigen Luft und Bad Kissingen ist auch heute noch ein beliebter Kurort.
Wir nahmen uns viel Zeit und bestaunten das Gradierwerk, von dem heute nur noch ein kleiner Teil als touristische Attraktion erhalten wird.
Die höhen Gerüste tragen eine Wand von riesigen Reisigbündeln (Schlehe), durch die man die 2 – 3%ige Sole (bzw. 2 – 3 Grad) herabrieseln ließ. Durch das Gradieren verdunstete Wasser und der Salzgehalt erhöhte sich, die Sole erreichte höhere Grade. Der Vorgang wurde mehrfach wiederholt und man gewann eine bis zu 20%ige Sole. Dieser Vorgang dauerte ca. 6 Wochen.
Bereits im 9. Jahrhundert sind die Kissinger Salinen nachweisbar. Das Salzsieden erforderte zu jener Zeit einen hohen Energieaufwand. Caspar Seeler errichtete in Kissingen ab 1563 die ersten Strohgradierwerke und verringerte so den Brennholzbedarf. Damit ist Bad Kissingen der älteste Gradierstandort und von hier aus fanden die Gradierbauten schon bald ihre Ausbreitung in Deutschland und Europa.
Im 20. Jahrhundert kam die Kissinger Salzproduktion zum Erliegen. 1968 wurden die Gradieranlagen außer Betrieb genommen. Das heute noch zu sehende Gradierwerk ist eine Nachbildung aus den Jahren 1993/94 und ersetzt nur einen kleinen Teil der ursprünglich 1,5 km langen Anlage.
Auf dem Salinensteg überquerten wir die Fränkische Saale, liefen über den Flugplatz für Segel- und Sportflugzeuge und liefen auf dem „Heimatlichen Waldpfad“ durch das „Kaskadental“. 1767 wurde das Bächlein zu kleinen Teichen mit Wasserfällen (Kaskaden) aufgestaut. Die Anlagen wurden von den Gästen gerne besucht. Da der Unterhalt sehr aufwendig war, verfielen sie jedoch bald wieder.
Wir wanderten weiter und fanden unterwegs immer wieder Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume. Sie trugen in diesem Jahr reichlich Früchte und wir bedienten uns immer wieder. Dies blieb auch die ganze Wanderwoche so.
Am Forsthaus Klaushof nutzen wir gerne die Gelegenheit zu einer Einkehr. Durch Wälder, Wiesen und Streuobstwiesen ging es weiter zur Mittagsrast am Ortsrand von Stralsbach. Hier nutzten wir auch die Gelegenheit uns die Kirche St. Oswald anzusehen. Der erste Bau entstand hier um 1120. Sehenswert ist der Altar von 1770 im Rokokostil.
Weiter wanderten wir bis Premich, dort holten uns Taxis ab, denn wir fuhren zurück nach Bad Kissingen, wo wir ausnahmsweise zwei Nächte blieben. Zum Abendessen blieben wir heute in unserem Hotel.

                                                
 

Wir stellten unser Gepäck zur Abholung ins nächste Hotel bereit und dann brachten uns die Taxis wieder zurück nach Premich. Es ging weiter auf dem Hochrhöner. 20 km und ca. 800 m An- und 500 m Abstiege lagen heute vor uns.Wir folgten dem Kellerbachtal, die Wanderung führte viel durch Buchenwälder und wir erreichten den kleinen Ort Langenleiten.  Im Ort bewunderten wir die Bronzeskulpturen verschiedener Künstler. Sie zeigen mit ihren Motiven den gemächlichen Gang der Dinge in dem kleinen und beschaulichen Dorf in der Rhön. Im Ort nutzten wir die Gelegenheit zu einer Einkehr in der Bäckerei Metz für ein 2. Frühstück und sahen uns die Kirche an.Durch Feld und Wald und unberührte Naturschutzgebiete ging es weiter, den Kreuzberg (928 m) den wir heute noch erobern wollten sahen wir immer wieder in der Ferne.Für unseren Anstieg wurden wir mit einer Mittagspause in der Brauerei des Klosters Kreuzberg belohnt. Das Klosterbier mundete gut. Wir verzehrten die mitgebrachten Brote oder kauften eine Wurst oder Bretzel. Vor dem letzten Anstieg über eine lange Treppe zum Gipfel mit seinen weithin sichtbaren drei Kreuzen, besuchten wir noch die Klosterkirche.Von oben genossenen wir bei guter Fernsicht den Blick auf die Kuppen der Rhön. Zum Abstieg wählten wir einen leichteren Weg und wanderten durch Wälder und Felder über den Ziegelberg zu unserem Etappenziel Oberweißenbrunn. Im Gasthof Rhönlust stand unser Gepäck schon bereit. Den Tag ließen wir mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Für heute stand eine Bergetappe im Programm. Von Oberweißenbrunn, liegt auf etwa 620 m Höhe, wanderten wir vorbei an der Hohen Hölle, 872 m, zum Himmeldunkberg, 888 m. Dann ging es bergab auf ca.750 m und in leichten Wellen bergauf- und ab zum Kesselstein, 799 m. Am Ende erreichten wir den bekanntesten Berg die Wasserkuppe, 950 m. Kurz unter dem Gipfel war unser Hotel,“Peterchens Mondfahrt.Pünktlich um 09:15 Uhr verließen wir die Rhönlust. Heute begleitete uns ein Freund von Rainer, Karlheinz, ein ehemaliger Kollege, der in der Nähe lebt.Heute wurden die Besonderheiten dieses beeindruckenden Wanderweges deutlich, Wälder und Felder aber immer wieder weite Grasflächen und baumlose Bergkuppen mit einer tollen Fernsicht. Wir konnten oft gut sehen wo wir gestern gewandert sind und morgen laufen werden. Immer wieder luden Plätze zum Verweilen ein und wir nahmen uns auch die Zeit. Das ist das Schöne an so einer Etappenwanderung, meist hat man Zeit, muss keine Bahn oder Bus erreichen und kann am Ziel ankommen wann man möchte.

Heute überschritten wir auch die Grenze zwischen Bayern und Hessen und auch die Wasserscheide zwischen Main und Weser.
Das nächste Stück des Weges wurde von Mooren geprägt. Bei der Nabu im „Haus am Roten Moor“ kehrten wir ein. Es gab leckeren Kuchen und Getränke dazu. Über einen Moorpfad gelangten wir zu einem Aussichtsturm im Moor. Wir konnten den hinter uns liegenden Kreuzberg und die vor uns liegende Wasserkuppe ausmachen. Weiter ging es über große Grasflächen. Die Landschaft wechselte ständig, jetzt liefen wir durch einen Buchenwald mit moosbedeckten Steinen. Die Basaltsteine sind Überbleibsel der vulkanischen Tätigkeit in der Rhön vor 15 Millionen Jahren.
Wir wanderten ein Stück an einem unscheinbaren Bach entlang. Am Ende sahen wir, dass er aus einer Mauer herauskam. Wir waren an der Fuldaquelle.
Durch die freie Landschaft erreichten wir die Wasserkuppe und konnten während der Wanderung immer wieder bewundern, wie die Sportmaschinen die Segelflugzeuge hochschleppten. Die Wasserkuppe ist ein Eldorado für Segelflieger.
Im Hotel bezogen wir die Zimmer, machten uns ein wenig frisch und belohnten uns nach der Wanderung mit einem kühlen Bier (die Meisten jedenfalls).
Der Berg ist nicht gerade die unberührte Natur, er ähnelt einem Dorf mit Flughafen. Aber nach so einer Wanderung störte uns das nicht.
Wir hatten noch Zeit bis zum Abendessen und bummelten in kleinen Gruppen herum. Ein paar von uns nutzen die Sommerrodelbahn, ich auch. Es waren zwei nebeneinanderliegende Schienenstränge. Ich fuhr los und hinter mir machten Vater und Sohn ein Wettrennen mit den beiden Töchtern. Ich hörte das Gejohle hinter mir und lies den Schlitten etwas mehr laufen. Aber es war zu spät, Vater und Sohn rasten jubelnd an mir vorbei und hinterher hörten wir die Mädchen schimpfen, dass der Opa da vorn sie behindert hatte.
Wir wären gerne auch noch mit einem Segelflugzeug mitgeflogen. Aber heute trainierte hier die Bundeswehr, wofür auch immer und so konnten keine Gäste mitfliegen.
Aber wir hatten doch noch Glück und konnten zu dritt in einer Sportmaschine mitfliegen. Ein herrliches Gefühl und ich verstehe nun den Spruch: „Nur Fliegen ist schöner“.
Der Pilot erklärte uns die Berge und was wir unter uns sahen, einiges wo wir gewandert waren und wo wir noch hinwollten konnten wir gut erkennen.
Das gemeinsame Abendessen im Hotel „Peterchens Mondfahrt“ war ein schöner Abschluss eines ausgefüllten Wandertages.

Um 09:30 Uhr starteten wir zum Gipfel der Wasserkuppe, dem mit 950 m Höhe höchsten Berg der Rhön und zugleich dem höchsten Berg Hessens. Wir wanderten vorbei am Deutschen Segelflugmuseum, der Segelflugschule, dem Lilienthal-Haus und dem Radom, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Rhön. Ein Radom ist ein Kofferwort aus Radar und Dome. Diese Schutzhüllen verbargen Radarantennen zur Zeit des Kalten Krieges. 1962 standen fünf dieser Bauwerke auf dem Gipfel. 1979 übernahm die Bundeswehr die Stellung auf der Wasserkuppe von den Amerikanern. Zwischen 1998 und 2007 zog sich das Militär nach und nach zurück. Seit 2009 ist die letzte verblieben Kuppel ein geschütztes Kulturdenkmal und wird für den Publikumsverkehr freigegeben.
Wir wanderten weiter zum Fliegerdenkmal am Westhang des Berges. Es wurde 1923 errichtet und erinnert an die im ersten Weltkrieg gefallenen Feldpiloten.
Meist durch Wälder wanderten wir bergab. Heute ging es meist bergab. Am Ende des Tages waren wir über 1.100 m ab- und über 600 m aufgestiegen. Vorbei an Abtsroda kamen wir dann wieder in eine von den weiten Grasflächen bestimmten Landschaft. Über den Weiherberg (786 m) gelangten wir zur Enzianhütte und legten dort eine kurze Rast ein, für einen Enzian war es noch zu früh. Weiter ging es wieder bergan zur Milseburg, ein Fels, der der Sage nach vom Riesen Mils aufgetürmt wurde. Hier machten wir unsere Mittagsrast in der Gipfelhütte nachdem wir auf den Felsgipfel gekrabbelt waren. Die Bedienung war ein wenig überfordert aber am Ende bekamen wir doch was wir essen und trinken wollten.Gut gestärkt wanderten wir weiter durch Wiesen- und Waldlandschaften zu unserem Etappenziel dem Hotel „Rhönhof“ in Gotthards. Am Ortseingang hatten wir dann noch einen „Klönschnack“ mit einem Bauern, der wegen der Trockenheit und den kahlen Wiesen seinen Kühen mit dem Moped Heu aufs Feld bringen musste.
Im Hotel standen unsere Koffer bereit und wir konnten die Zimmer beziehen.

Wir starteten zur Etappe von Gotthards nach Tann. Nach etwa 2,5 Kilometern verließen wir Hessen und kamen nach Thüringen. Die ehemalige deutsch-deutsche Grenze überquerten wir heute mehrere Male, denn der Hochrhöner führt ein Stück entlang des „Grünes Bandes“, dem ehemaligen Grenzgebiet. Wir passierten einen Gedenkstein zur Grenzöffnung. Viel führte der Weg heute durch Wälder. Die heutige Etappe betrug nur knapp 16 km und wir mussten wieder ca. 600 Meter auf und absteigen. Um die Mittagszeit herum erreichten wir die 100 km Marke der bisherigen Wandertage. Wir markierten den Weg und gingen nacheinander über die Linie. Bisher hatten wir ja Glück mit dem Wetter, aber gerade hier regnete es ein wenig.Früh erreichten wir unser Tagesziel Tann durch das mittelalterliche Stadttor. Direkt am Marktplatz war unser Hotel.
Wir bezogen die Zimmer, tranken und gingen Kaffeetrinken beim „Rhönräuber“.
Für den weiteren Nachmittag hatte Rainer noch eine Führung durch das Museumsdorf vorbereitet. Unser Führer zeigte uns die Häuser und gab uns einen guten Einblick in das Leben und die Arbeit der Rhön-Bauern in vergangenen Jahrhunderten. Besonders interessant war ein funktionsfähiger Webstuhl.
Wir beendeten unseren anschließenden Rundgang durch den Ort mit einem kurzen Besuch des Schlosshofes und der Kirche. Das Schoss aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist immer noch im Familienbesitz. Die Familie derer von Tann beeinflusst immer noch das Leben im Ort.

Die heutige Etappe von Tann nach Wiesental war wieder etwas länger, auf 24 Kilometern ging es ca. 750 Meter bergauf und genausoweit bergab.
Wie meist war um 09:30 Uhr Abmarsch und Rainer informierte uns vor dem Hotel, was uns den Tag über erwartete.
Über den Friedhof und vorbei am jüdischen Friedhof verließen wir Tann. Auf den Wiesen erwarten uns erst einmal stimmungsvolle Nebelfelder. Ein völlig neues Gefühl, so ohne die gewohnte Fernsicht zu wandern.
Auch heute kamen wir noch einmal an die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze, d.h. der Weg führte zwischen Hessen und Thüringen hin und her. Einen alten Grenzturm umrundeten wir in weitem Bogen.
Hinter Andenhausen, auf dem Weg zum Hotel Katzenstein, kamen wir an meist lustigen Holzfiguren vorbei. Erbaut wurde das Gebäude 1937 mit Basaltsteinen aus der Umgebung. Bewirtschaftet wurde das Hotel von der NSDAP, „verdienstvolle“ Genossen konnten hier ihren Urlaub verbringen.
Durch Plünderungen 1945 wurde das Hotel stark verwüstet. 1952 wurde das Hotel gründlich renoviert und nun diente es „verdienstvollen“ Stasioffizieren als Erholungsheim. Nach der Wende wurde es erst einmal stillgelegt und später wieder eröffnet. Der schlechte Service und die unfreundliche Bedienung führten bald zum Konkurs.Heute wird das Hotel wieder erfolgreich bewirtschaftet und erfreut sich zunehmender Besucherzahlen.Langsam lichtete sich der Nebel auf unserer weiteren Wanderung und wir gelangten teils durch Buchenwälder und über einige Kuppen zur Dermbacher Hütte auf dem Gläserberg. Leider wird sie vom Rhönklub nur an Sonntagen bewirtschaftet.
Weiter ging es durch alte Buchenwälder vorbei an Dermbach. Der Hochrhöner führt nicht durch den Ort und so liefen wir weiter bis an den Ortsrand von Wiesenthal. Der Wirt vom „Rhönpaulus“ in Dermbach holte uns hier mit dem Auto ab.
Vorher begegneten wir aber noch dem „Rhönpaulus“. Johann Heinrich Valentin Paul wurde 1736 geboren. Nach einer schweren Kindheit und Jugend ließ er sich für die preußische Armee Friedrichs des II. anwerben und desertierte nach einer Verwundung im Siebenjährigen Krieg 1764. Er verbarg sich in der heute als Rhönpaulus-Höhle bekannten Klufthöhle am Neuberg, an der wir auch vorbewanderten. Häufig war er als Wilddieb unterwegs und bestahl oft die reichen Bauern. Da er seine Beute meist mit anderen Bedürftigen teilte, erhielt er schnell den Ruf eines Robin Hoods der Rhön. Er war eine ähnliche Figur wie Hans Eidig aus unserer Region. 1780 wurde er gefangen genommen und zum Tode am Galgen verurteilt. Damit er nicht entfliehen konnte wurde er in einen Eichenkasten gesperrt und zum Galgen gebracht. Der sogenannte „Pauluskasten steht heute im Dermbacher Heimatmuseum. Eine Nachbildung steht im Glattbach und wir konnten den Kasten ausprobieren. Viele Sagen ranken sich um ihn. Auf dem Rhönpaulus-Erlebnisweg nach Wiesenthal konnten wir einige der Geschichten auf den Tafeln am Wegesrand nachlesen und an einem Rastplatz uns mit ihm an einen Tisch setzen. Das Rhönräuber Pilsener ließen wir uns in einigen Wirtschaften schmecken.

Die letzte Etappe unserer Wanderung auf dem Hochrhöner lag vor uns. Heute Nachmittag würden wir Bad Salzungen erreichen. Aber noch lagen etwa 24 km und 600 Meter An- und 700 Meter Abstiege vor uns.
Der Wirt brachte uns wieder an den Ortseingang von Wiesenthal. Wir liefen am Ort vorbei durch Felder und Wiesen, kein Nebel trübte heute Morgen die Sicht. Stetig ging es bergan, wir erreichten den Wald, eine Kernzone des Naturschutzgebietes und überquerten den Horn, die aufgesetzte Kuppe des Horns besteht aus einer Basaltdecke, die die Umgebung überragt. Wir genossen die Aussicht in die Ebene vor uns. Nach dem Abstieg ging es vorbei an Feldern und wieder in ein Waldstück. Wir kamen zur Bernshäuser Kutte, einem kleinen See. Diese geologisch-hydrologische Besonderheit steht unter besonderem Naturschutz. Der kleine See ist fast 50 Meter tief.Die Schilder vom Hochrhoner besagten, dass der Weg oberhalb weitergeht, aber ein Weg direkt am See war so verlockend schön, dass einige von uns ihm folgten. Der Weg wurde enger und wir merkten nach einer Weile, dass wir so nicht weiterkamen. Ein Wanderer läuft nicht gerne zurück und so krabbelten wir auf allen Vieren einen steilen Hang durch das Laub hinauf. Oben erwartete uns der schadenfrohe Rest der Truppe.
Weiter durch die Wälder des „Naturerbe Salzunger Forderrhön“ und über offene Feldlandschaft liefen wir zur Wanderhütte auf dem Pleß (644 m) mit seinem Aussichtsturm. Hier gönnten wir uns eine ausgiebige Rast. Auf dem weiteren Weg ging es nur noch bergab bis zu unserem Etappenziel Bad Salzungen. Der Weg in den Ort hinein bis zum Ende des Hochrhöners führte uns durch Schrebergärten und Wohngebiete.
Unser Hotel „Haus Hufeland“ war herrlich am Burgsee im Zentrum gelegen. Zum Abendessen waren wir im Restaurant „Haunscher Hof“, auch wieder mit stimmungsvollem Blick auf den Burgsee. Morgen sollte es dann heimgehen. Es war eine großartige Wanderwoche mit ganz vielen schönen Erlebnissen. Nach dem Abendessen hatten wir ein kleines Dankeschön für Rainer und Angela vorbereitet, die diese Reise mit so viel Mühe und Engagement für uns vorbereitet und durchgeführt haben.
Insgesamt sind wir etwa 150 km gewandert und dabei 4400 Meter aufgestiegen und fast genauso viel wieder abgestiegen, denn unser Startpunkt Bad Kissingen liegt nur ca. 100 Meter tiefer als das Ziel Bad Salzungen.

Bevor wir die Heimreise antraten hatte Rainer noch eine Führung durch Bad Salzungen organisiert. Unsere Führerin holte uns am Hotel ab und zeigte uns mit viel Leidenschaft ihre Heimatstadt.
Anhand der Reliefs nahe dem See erklärte sie uns wie früher hier das Salz gewonnen wurde und welche Aufgaben die Pfänner, Siedeknechte und –meister  hatten. Weiter ging es zum Brunnen, der einer großen Sudpfanne aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden war.
Zu fast allen alten Gebäuden wusste sie eine Geschichte zu erzählen. Auch unser Hotel „Haus Hufeland“ hat eine lange Geschichte als Heilstätte.
Vom Haunschen Hof, einem der ältesten Gebäude der Stadt genossen wir die Aussicht auf den Burgsee, er ist 25 Meter tief und hat keinen natürlichen Zu- und Ablauf. Er wird von Quellen am Grund und Niederschlagswasser gespeist. Der Haunsche Hof beherbergt heute das Standesamt, Vereins- und Veranstaltungsräume, sowie Restaurant in dem wir gestern zu Abend gegessen hatten.
Weiter ging es durch die Innenstadt zum Gradierwerk. Anders als zu Beginn unserer Reise in Bad Kissingen, konnten wir hier ein Werk besuchen, das für den Kurgast immer noch in Betrieb ist. Im Inneren konnten wir alle Kureinrichtungen, wie z.B. den Inhalationsbrunnen, ansehen. Hier endete unsere Führung und wir kehrten noch zu Kaffee und Kuchen im Café des Gradierwerks ein.
Wir bummelten zurück zum Hotel, holten unser Gepäck und liefen die kurze Strecke zum Bahnhof.
Die Rückfahrt klappte gut, alles war pünktlich und das Umsteigen und Finden der reservierten Sitzplätze klappte problemlos. Wir waren davon ganz überrascht… aber in Göttingen blieb der Zug einfach im Bahnhof stehen. Über eine halbe Stunde Verspätung, weil Lokführerwechsel war und der Kollege einfach zu spät kam.
Uns konnte das gar nicht stören, wir waren gut erholt und hatten so eine tolle Wanderreise erlebt. Vielen Dank noch einmal an Rainer und Angela!

 

Wanderfreunde Nordheide e.V.